Körperliche Aktivität ist eine Universalmedizin für Jung und Alt – Prävention: Frauenärzte der GenoGyn warnen vor Folgen von Bewegungsmangel (23.01.2017)

Köln. Das Leben des Stubenhockers ist riskant: Wer körperliche Bewegung und sportliche Aktivitäten scheut, verzichtet auf einen Universalschlüssel zur Förderung der Gesundheit und zur Prävention zahlreicher schwerer Erkrankungen – Männer wie Frauen, Jung wie Alt. „Der heutige Mensch ist nicht für körperliche Passivität geschaffen. Die Evolution hat ihn noch nicht an die überwiegend sitzenden Tätigkeiten der Zivilisationsgesellschaft angepasst, und ohne genügend Bewegung wird er krank“, sagt Dr. Jürgen Klinghammer, Frauenarzt und Vorstandsvorsitzender der Ärztlichen Genossenschaft GenoGyn. Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Krebs, Diabetes, aber auch schwere Skelettleiden resultieren häufig unmittelbar aus einem Bewegungsmangel. Hinzu kommen zahlreiche Erkrankungen im Gefolge von Übergewicht und Adipositas, die wiederum ihre wichtigste Ursache im Zusammenspiel von unausgewogener Ernährung und fehlender Bewegung haben. Da die Weichen für körperliche Inaktivität oft schon im Kindesalter gestellt werden, fordert die GenoGyn, die sich in der ärztlichen Fortbildung in Präventionsmedizin stark engagiert, als langfristige Maßnahme erneut eine deutliche Intensivierung des Schulsports. Schriftliche Präventionsempfehlungen, die im Rahmen der Umsetzung des Präventionsgesetzes aktuell in 2017 greifen sollen und es niedergelassenen Ärzten in Deutschland ermöglichen, verhaltensbezogene Präventionsmaßnahmen u.a. im Bereich Bewegung anzuraten, sieht die Ärzteorganisation als insgesamt unzureichend an.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) konstatiert für Europa bei jedem dritten Erwachsenen und bei mehr als zwei Dritteln der Jugendlichen starke Defizite bei der körperlichen Aktivität. Etwa eine Million Todesfälle lassen sich laut WHO jedes Jahr in Europa auf Bewegungsmangel zurückführen. In einer australischen Studie wurde herausgefunden, dass für Frauen ab 30 der Verzicht auf sportliche Betätigung der Hauptfaktor für ein erhöhtes Herzinfarktrisiko ist – noch vor Übergewicht, Rauchen und Bluthochdruck.

Auch für verschiedene Tumorerkrankungen zeigen zahlreiche Studien die präventive Wirkung von regelmäßiger körperlicher Aktivität. Bei der Deutschen Krebsgesellschaft wird davon ausgegangen, dass sportlich aktive Menschen ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, im Durchschnitt um 20 bis 30 Prozent reduzieren können. So sind laut Deutschem Krebsforschungszentrum 12,8 Prozent der Fälle von Brustkrebs auf Bewegungsmangel zurückzuführen. Ist eine Krebserkrankung bereits eingetreten, kann körperliche Bewegung das Mortalitätsrisiko deutlich senken. GenoGyn-Vorstand Dr. Klinghammer verweist auf Beobachtungsstudien, nach denen durch sportliche Betätigung die Brustkrebssterberate um bis zu 51 Prozent reduziert wurde, bei Darmkrebs waren es sogar bis zu 61 Prozent. Der Kölner Frauenarzt weiter: „Für Patienten, die vor ihrer Erkrankung regelmäßig Sport getrieben haben, ist ein geringeres Rezidivrisiko nachweislich. Aber auch Patienten, die erst nach einer Erkrankung ihren körperlich passiven Lebensstil ändern, erhöhen ihre Aussicht auf eine dauerhafte Heilung ohne Rückfälle. Genügende Bewegung ist eine protektive Universalmedizin.“ Das gilt auch für den Schwangerschaftsdiabetes, dessen Häufigkeit mit Bewegung und Diät reduziert werden kann.

US-Neurowissenschaftler aus Maryland haben zudem jüngst herausgefunden, dass körperliche Aktivität einen gewissen Schutz vor neurodegenerativen Veränderungen des Gehirns bietet. Für die etwa 1,5 Millionen meist älteren Menschen in Deutschland, die an Demenz erkrankt sind, bedeutet das zwar keine Heilung. Aber die Forscher sehen in ihren Ergebnissen einen Weg, das Schrumpfen von Bereichen des Gehirns und damit Demenz-Symptome wie Desorientierung und Einbuße aller kognitiven Fähigkeiten zu verzögern. „Um das Gehirn möglichst lange fit zu halten, müssen Senioren keine Leistungssportler werden, sondern sollten auf die Regelmäßigkeit der körperlichen Aktivitäten setzen“, so Dr. Klinghammer, der zudem betont, dass Bewegung gegen Depressionen wirke.

Über Dauer und Umfang körperlicher Ertüchtigung gehen die Expertenmeinungen auseinander. Manche empfehlen 30 bis 45 Minuten täglich – etwa durch Gartenarbeit, Schwimmen, zügige Spaziergänge oder Golfspielen. Andere weisen darauf hin, dass der gewünschte Abbau von Fettreserven erst nach 45 Minuten auf Hochtouren kommt. Die WHO rät zu zweieinhalb Stunden gemäßigter Bewegung pro Woche, alternativ die Hälfte der Zeit bei anstrengendem Sport. Die Präventionsexperten der GenoGyn sehen die stärksten Effekte in einem Bewegungsmix aus 150 Minuten moderatem Ausdauertraining und zwei oder drei Kraft-Übungseinheiten pro Woche. Dr. Klinghammer: „Für jeden ist körperliche Aktivität lohnend, aber je nach Alter, gesundheitlicher Konstitution und sportlicher Vorgeschichte kann sie sehr unterschiedlich ausfallen. Generell ist zu empfehlen, mit einem Präventionsexperten ein individuelles Bewegungsprogramm aufzustellen, das sich nachhaltig in das Leben integrieren lässt.“ Viele Frauenärzte der GenoGyn bieten entsprechende Leistungen im Rahmen einer erweiterten Primärprävention in ihren Praxen an. Zudem lohne es sich, Alltags-Tipps wie Treppensteigen statt Fahrstuhl fahren oder Telefonieren im Stehen zu beherzigen, so Frauenarzt Dr. Klinghammer.

Aktuell gibt die Politik niedergelassenen Ärzten ein neues Präventionsinstrument an die Hand: Bescheinigungen, mit denen Präventionsempfehlungen in den Bereichen Bewegung Ernährung, Stressmanagement und Suchtmittelkonsum gegeben werden können. „Ein ärztlicher Empfehlungsvordruck für eine Leistung, die Versicherte ohnehin bei ihrer Krankenkasse beantragen können, wird im Einzelfall die Motivation erhöhen, den Bewegungsmangel aber nicht erfolgreich bekämpfen“, kritisiert der GenoGyn-Vorstand. Da die Lust an Bewegung und Sport bereits im Kindesalter geweckt oder ausgebremst wird, drängt die GenoGyn weiter auf eine Ausweitung des Schulsports und die Förderung des Breitensports. Regelmäßige körperliche Aktivität stärkt die motorische Entwicklung und das Herz-Kreislauf-System. Die Folgen von Bewegungsmangel in der Kindheit treten dagegen häufig erst im Erwachsenenalter mit Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Bluthochdruck oder Rückenleiden zu Tage – und sind dann meist nur noch mit bekannt hohem Aufwand zu behandeln.

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